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Elternzeit im Unternehmertum: Tabuthema in der Startup-Szene

Elternzeit im Unternehmertum: Tabuthema in der Startup-Szene

Die Vereinbarkeit von Elternzeit und dem Starten eines eigenen Unternehmens ist ein Thema, das in der Startup-Welt oft als Tabu gilt. Es herrscht ein hoher Druck auf Gründerinnen und Gründer, hart zu arbeiten und erfolgreich zu sein, was es schwierig macht, Familie und Unternehmertum miteinander zu vereinbaren. Die öffentliche Diskussion zu diesem Thema konzentriert sich hauptsächlich auf die Herausforderungen und Probleme, denen Gründerinnen gegenüberstehen, wenn sie sich für Familie und Kinder entscheiden.

Jedoch wird oft übersehen, dass auch männliche Gründer mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind, wenn auch nicht unter denselben biologischen Bedingungen wie Frauen. Sie kämpfen ebenfalls damit, Partnerschaft, Kinder und das Führen eines Startups in Einklang zu bringen, sprechen aber nur selten darüber.

Julius Bachmann, Gründer-Coach und Mitgründer des Berliner Startups Journey, hat sich trotz der Verantwortung, die mit der Gründung eines Unternehmens einhergeht, dazu entschieden, sich Zeit für seine Tochter und Familie zu nehmen. Er berichtet in einem Interview über den Übergang vom Gründerleben in die Elternzeit, die Auswirkungen seiner Entscheidung auf das Startup und warum er eine Veränderung in der Rollenverteilung und den Erwartungen zwischen männlichen und weiblichen Gründern in der Startup-Szene wünscht.

Vom VC-Umfeld zum Coaching bis hin zur Gründung von Journey

Bachmann war seit 2014 in der Startup- und Venture-Capital-Szene in Deutschland und Österreich tätig und hat bereits als Investor in österreichische Unternehmen investiert. Dabei hat er festgestellt, dass Gründerinnen und Gründer sich oft verloren und allein fühlen. Deshalb hat er sich 2018 dazu entschlossen, als Coach junge Unternehmerinnen und Unternehmer mit seinem Wissen zu unterstützen. Im Jahr 2020 gründete er gemeinsam mit seinem Mitgründer das Startup Journey, das Menschen dabei helfen soll, ihr Leben mit ihren Werten in Einklang zu bringen und Orientierung zu finden. Während seiner Arbeit als Coach und Gründer konzentrierte sich Bachmann zunächst darauf, die Balance zwischen Familie, Unternehmertum und Coaching herzustellen. Doch er stellte fest, dass dies nicht funktioniert und dass er nicht gleichzeitig ein guter Vater und Unternehmer sein kann. Er merkte, dass er weniger schlief und bis spät in die Nacht arbeitete, um Zeit für seine Familie zu haben. Daher entschied er sich im Januar 2022, die operative Leitung von Journey abzugeben und sich auf das Coaching zu konzentrieren.

Er betont die Bedeutung von Offenheit und Kommunikation in Geschäftspartnerschaften. Er wagte den Schritt in die Elternzeit, weil er und sein Mitgründer von Anfang an offen über ihre Lebensplanung gesprochen und die Auswirkungen auf das Startup diskutiert hatten. Obwohl sein Mitgründer selbst keine Kinder hat, respektierte er Bachmanns Entscheidung und unterstützte ihn während seiner Auszeit. Während dieser Zeit setzte Bachmann sein Vesting aus, da er nicht aktiv im Unternehmen tätig war. Aufgrund seiner Familiensituation entschied sich Bachmann, seine aktive Rolle im Unternehmen aufzugeben. Das Team von Journey suchte daraufhin einen neuen CEO, der Bachmanns Position übernahm. Bachmann und sein Mitgründer behielten kleinere Anteile und blieben Gesellschafter und Mitglieder des Boards.

Ein Umdenken muss in die stark männlich und von älteren Generationen geprägte Startup-Szene stattfinden 

Bachmann hebt hervor, dass die männlich geprägte Startup-Szene umdenken muss und dass die Erwartungshaltung, dass männliche Gründer wenig Auszeit nehmen sollten, obwohl sie selbst Väter werden, überwunden werden muss. Er fordert, dass Gleichberechtigung in Bezug auf Elternzeit gelebt werden sollte. Um eine Veränderung herbeizuführen, müssen solche Themen gleichberechtigt diskutiert werden, bevor sie überhaupt auftauchen. Die Annahme, dass Frauen aufgrund ihrer biologischen Realität eine Auszeit nehmen müssen, während Männer dies vermeiden können, offenbart eine tiefer liegende Rollenverteilung und Erwartungshaltung, die nur durch konsequentes Hinterfragen und Umdenken überwunden werden kann, so Bachmann.

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